Aktuell Naher Osten

Überflutung von 12'000 Jahren Kulturgeschichte

Umstrittener Ilisu-Staudamm vor Fertigstellung

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(8. Oktober 2019) Schon bald wird der Tigris bei Hasankeyf über seine Ufer treten und Jahrtausende alte Siedlungen im Südosten der Tükrei unter seinen Fluten begraben. 

Der Ilisu-Staudamm ist Teil des Südostanatolien-Projektes, das über 20 Staudämme an Euphrat und Tigris vorsieht. Manche Gegenden, die überflutet werden sollen, sind seit 12'000 Jahren besiedelt, so wie die Region von Hasankeyf . Entsprechend gross ist der kulturhistorische Verlust, der damit einhergeht. 

Das Projekt ist aber auch aus anderen Gründen umstritten. So soll es der Regiertung dazu dienen, Minderheiten in Südostanatolien wie Kurden und Christen zwangsumzusiedeln und damit kulturell zu entwurzeln. 

Hasankeyf, eine Stadt geht unter (NZZ)


Prestigeprojekte des ägyptischen Präsidenten

Militär verstärkt seinen wirtschaftlichen Einfluss

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(5. Oktober 2019) Seit seinem Amtsantritt schmückt sich der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit gigantischen Bauvorhaben, sei es die Erweiterung des Suezkanals oder der vorgesehene Bau einer neuen Hauptstadt. Diese Prestigeprojekte bringen der einfachen Bevölkerung keinen Nutzen. Als ökonomischer Teilhaber profitiert v.a. das Militär und verstärkt damit seinen wirtschaftlichen Einfluss. 

Al-Sisis-Prestigeprojekte (Qantara.de)

Wer sich ein Stimmungsbild der politischen Lage in Ägypten machen will, dem sei das Online-Magazin "Mada Masr" ans Herz gelegt. "Mada Masr" versteht sich als progressives unabhängiges Medium, das sich nach der Arabellion am Nil gegründet hat und Nachrichten, Kommentare, Essays und Fotogalerien auf Englisch und Arabisch publiziert.

Mada Masr


Schweizer Spuren in Kairo

Mit der App "Swiss Trail" durch Ägyptens Hauptstadt

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(25. Juni 2019) In Kairo befinden sich etliche "angeschweizerte Attraktionen", die bislang nur wenigen Interessierten bekannt waren. Dies soll sich mit der neuen Stadttour-App "Swiss Trail" ändern, die zu 20 Schweizer Sehenswürdigkeiten in der ägyptischen Hauptstadt führt. Gebäude, Geschäfte oder Gärten und die Persönlichkeiten dahinter werden mit Texten, Bildern und Videos vorgestellt; eine Karte hilft, die Orte zu finden.

Schweizer Spuren in Ägypten (Papyrus Magazin)


Aufbruch zu einer neuen nationalen Identität Ägyptens

Ägyptische Regierung will "neuen Menschen" erschaffen

(12. Juni 2019) Die ägyptische Regierung hat eine Kampagne lanciert, die zur Entstehung eines neuen ägyptischen Menschen führen soll. Hinter den Fortschrittsparolen offenbart sich, was Ägyptens Präsident anstrebt: unterwürfige und gehorsame Bürger heranzuzüchten.

Neue Gesellschaftsutopie Ägyptens (Qantara.de)


Bleierne Zeit

In memoriam Arnold Hottinger

(12. Juni 2019) Mit Arnold Hottinger ist am 20. Mai einer der profundesten Kenner und renommiertesten Experten des Nahen Ostens verstorben. Zur Trauerfeier publiziert "Journal 21" einer der letzten Artikel Hottingers, in welchem er den politischen Stillstand im Nahen Osten thematisiert.

Bleierne Zeit (Journal 21)
Eine Würdigung (Journal 21)


Jordanien verstehen

Neu Auflage des Sympathie-Magazins

(17. April 2019) 2005 erschien des erste Symapthie-Magazin über Jordanien. Damals war die Hoffnung im Nahen Osten gross; ein stabiles Jordanien mit friedlichen Nachbarn schien vorstellbar. Durch den Krieg in Syrien 2011, den Kampf um die Vormachtstellung zwischen Saudi-Arabien und Iran in der Region und das nach wie vor ungelöste Palästinaproblem sind die Rahmenbedingungen heute ungleich schwieriger geworden.

Doch Jordanien hat schon oft Flexibilität und Pragmatismus bewiesen. Jordaniens Bevölkerung ist jung, engagiert und kreativ; der Altersdurchschnitt liegt bei 23 Jahren. In der Neuauflage des Sympathie-Magazins erzählen Jordanierinnen und Jordanier ihre ganz persönliche Geschichte, von ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und ihrem Kampf für echte Verfassungsreformen.

Jordanien (Sympathiemagazin.de)


Alaa al-Aswani lebt nicht mehr in Ägypten

Anzeige gegen den bekanntesten Schriftsteller Ägyptens

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(24. März 2019) Die NZZ meldet in ihrer gestrigen Ausgabe, dass Alaa al-Aswani letzte Woche vom Militärstaatsanwalt Ägyptens angezeigt wurde, da er sich der "Beleidigung des Präsidenten, der Streitkräfte und der Justizbehörden" schuldig gemacht haben soll. Die Anzeige bezieht sich u.a. auf den letzten Roman al-Aswanis "Die Republik als ob", in dem die Geschichte der gescheiteren Revolution von 2011 erzählt wird. Die Sorge vor Strafverfolgung trieb den 61-Jährigen nun ins amerikanische Exil.

Einmal mehr wird deutlich, dass unter dem jetzigen Präsidenten der Repressionsapparat in Ägypten auf Hochtouren läuft - eine bedenkliche und traurige Entwicklung!

Der Mann, der den Militärs die Zähne zieht (NZZ)


Alle Macht dem Militär

Ägypten vor wegweisender Verfassungsänderung

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(15. März 2019) Ägypten steht kurz vor einer tiefgreifenden Verfassungsänderung. Diese wird dem Militär mehr Kontrolle über den Staat verleihen und diesen dazu befähigen, künftig auch gegen gewählte Regierungen vorzugehen sowie politische Gegner zu verfolgen - und damit die Position des Militärs als oberster Hüter des Staates zementieren. 

Sollte die Verfassungsänderung tatsächlich verabschiedet werden, was als sehr wahrscheinlich gilt, würde damit auch die Amtszeit des Präsidenten nicht mehr vier, sondern künftig sechs Jahre betragen. Ausserdem ist eine neue Klausel geplant, die es dem bestehenden Präsidenten ermöglicht, für zwei zusätzliche Amtszeiten zu kandidieren. Treten die Änderungen in Kraft, könnte Präsident Sissi demnach bis 2034 an der Macht bleiben.

Verfassungsänderung in Ägypten (Qantara.de)


Syriens Kulturerbe lebt weiter - in einer Ausstellung in Berlin

Das Syrian Heritage Archive Project

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(15. März 2019) Zahllose Kulturgüter wurden im syrischen Bürgerkrieg zerstört. Das "Syrian Heritage Archive Project" in Berlin hilft, die Erinnerung daran zu erhalten. Erstmals gibt eine Ausstellung  im Berliner Pergamonmuseum nun Einblick in diese Arbeit. 

Seit 2013 sammeln deutsche und syrische Wissenschaftler Bilder, Filme und Berichte über die Kultur- und Naturschätze Syriens, digitalisieren sie und erstellen daraus ein Archiv. Ob alte Fotos oder archäologische Forschung: Alles wird erfasst und systematisch sortiert. Rund 340.000 Dokumente sind mittlerweile zusammengekommen - das umfassendste Archiv über Syrien ausserhalb des Landes. Eine Auswahl aus diesem Schatz zeigt nun die Ausstellung "Kulturlandschaft Syrien - Bewahren und Archivieren in Zeiten des Krieges" im Berliner Pergamonmuseum. Der Besucher kann dabei umherwandern zwischen fünf verschiedenen Stationen mit Bildern und Filmen, je eine für die Altstädte von Damaskus und Aleppo, für Palmyra und Raqqa sowie für die sogenannten Toten Städte – dörfliche Siedlungen aus spätrömischer und frühbyzantinischer Zeit.

Syriens Kulturerbe lebt weiter (Qantara.de)


40 Jahre Iranische Revolution

Vom Schah zu Chomeini

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(4. Februar 2019) Der deutsch-iranische Islamwissenschaflter Reza Hajatpour protestierte vor 40 Jahren mit Tausenden im Iran gegen den Schah. Er erhoffte sich persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Im Gespräch erklärt er seine Enttäuschung über die iranische Revolution und weshalb er 1986 den Iran verliess.

40 Jahre Iranische Revolution (SRF)

Die heute in Paris lebende Exil-Iranerin Marjane Satrapi hat aus ihrer Biografie zuerst den Comic "Persepolis" geschaffen, der später zum gleichnamigen, vielfach ausgezeichneten Zeichentrickfilm führte. Dieser gibt auf ebenso poetische wie erschütternde Weise einen Einblick in die Geschichte des Irans im 20. Jh.

Persepolis, der Animationsfilm (SRF)


 Achter Jahrestag der Januar-Revolution am Nil

Machtlose ägyptische Opposition

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(1. Februar 2019) Am 25. Januar 2011 gingen Millionen Ägypter auf die Straße und forderten "Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit". Acht Jahre später ist die demokratische Opposition gespalten, weil sie es nicht vermocht hat, eine Alternative zum Militärstaat anzubieten, meint der ägyptische Politikwissenschaftler Taqadum Al-Khatib. In seinem Beitrag geht er auf die Fehler und Unterlassungen der Oppostion ein.

Achter Jahrestag der Revolution am Nil (Qantara.de)


50 Jahre Grabung des Deutschen Archäologischen Institutes auf Elephantine

Bedeutender Beitrag zur Siedlungsarchäologie

(28. Januar 2019) Das Grabungsprojekt des DAI auf der Insel Elephantine bei Assuan ist das längste der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Institutes DAI. Es startete am 9. Januar 1969 und feierte kürzlich sein 50-jähriges Jubiläum.

Die Grabung gehört zu den wichtigsten des DAI in Ägypten, denn auf der Insel Elephantine kann die Geschichte einer Stadt von ihren Anfängen um 3500 v.Chr. bis ins Mittelalter verfolgt werden, was äusserst selten der Fall ist. Die Grabungstätigkeit liefert denn auch einen bedeutenden Beitrag zur Siedlungsarchäologie der südlichen Grenzstadt Ägyptens. 

50. Jubiläum auf Elephantine (DAI)


Frische Fassaden für Ägyptens Städte

Schöner Wohnen als Visitenkarte

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(28. Januar 2019) Der ägyptische Präsident al-Sisi hat dem Land zum 8. Jahrestag des Aufstandes eine Verschönerung seiner Hausfassaden verordnet. Das Erscheinungsbild der Städte sei Ausdruck des kulturellen Niveaus Ägyptens. Insbesondere die Häuserfassaden von Kairo und Alexandria sind dem Präsidenten offenbar ein Dorn im Auge. Die Verschönerungsaktion wurde als bedeutende Massnahme der Regierung angekündigt.

Neue Farben braucht das Land (SRF News)


Sudan mit den Augen eines angehenden Arztes

Notfallmedizin und Chirurgie in Khartum

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(25. Januar 2019) Ein angehender Arzt absolviert im Sudan ein Praktikum und verfasst darüber einen Reisebericht, in welchem er seine Eindrücke beschreibt. Am meisten habe ihn die Gastfreundschaft der Menschen beeindruckt.

Famulatur im Sudan (Medizinernachwuchsde). Mit herzlichem Dank an D. Hein von HAGIB.


Operation Sinai 2018

Immer tiefer in den militärischen Konflikt auf der nördlichen Sinai-Halbinsel

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(8. Dezember 2018) Die ägyptische Regierung hat ihre Militäroperationen auf der Sinai-Halbinsel verstärkt und versucht damit den dschihadistischen Aufstand niederzuschlagen. Seit die Militäroperation "Sinai 2018" zu Beginn dieses Jahres eingeführt wurde, sind laut Angaben der Regierung bereits über 450 Aufständische getötet worden.

Trotz des neuen Anti-Terrorkampfes geht der Aufstand der Extremisten weiter. Diese haben in den ersten beiden Novemberwochen acht Anschläge im Nordsinai verübt und ihre Aktionen auf einem 42-minütigen Video veröffentlicht. Auch wenn führende Terroristen durch die ägyptischen Sicherheitskräfte getötet werden konnten, befürchten Militärexperten, dass "der Gegner noch tiefer in die Militanz getrieben werde". 

Al-Sisis Terrorkampf auf dem Sinai (Qantara.de)


Alltagsbilder aus dem Iran

Iran abseits der grossen Politik und seiner jahrtausendealten Kultur

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(8. Dezember 2018) Der Journalist Edi Strub reiste kürzlich durch Iran und schoss Bilder, die den Alltag der Menschen - abseits der lauten und schrillen politischen Töne - zeigen, z.B. Kinder abends im Bazar in Shiraz im Südwesten Irans: Ein Mädchen zeigt stolz ihr Englischbuch und trägt auch gleich einige auswendig gelernte Wendungen vor. Oder Geschäftsmänner in den Bazars von Isfahan und Shiraz, die auf gute Geschäfte hofften und von einem neuen Auto träumten. Durch die erneuten Sanktionen der USA gegen den Iran haben sich diese Hoffnungen wieder zerschlagen, denn wie üblich treffen Sanktionen vorwiegend die kleinen Leute.

Schnappschüsse aus dem Iran (Journal 21)


Felsenstadt Petra evakuiert

Heftige Überschwemmungen in der jordanischen Weltkulturerbestätte

(10. November 2018) Die im Süden Jordaniens gelegene Nabatäerstadt Petra musste aufgrund heftiger Überschwemmungen evakuiert werden. Mindestens 11 Menschen sind in den Wassermassen gestorben; rund 3500 Touristen mussten die Stätte verlassen. 

Sinflutartige Regenfälle machten Jordanien bereits vergangene Woche zu schaffen. Überschwemmungen forderten bereits 21 Opfer.

Überschwemmungen in Jordanien (SRF News)


Al Sisi - Die Macht am Nil

Doku-Sendung über Ägypten unter dem Präsidenten al Sisi

(27. Oktober 2018) 2014 übernahm Abd al-Fattah al Sisi als Präsident die Macht in Ägypten. Seither haben willkürliche Festnahmen und Folter zugenommen. Dennoch wird al Sisi vom Westen weiterhin als strategischer Partner gesehen.

Die Doku thematisiert die Beziehungen zwischen Ägypten und der westlichen Welt und geht der Frage nach, wie es am Nil um Pressefreiheit und Menschenrechte steht. Journalisten berichten, wie schwierig und gefährlich ihre Arbeit in den letzten Jahren geworden ist. 

Al Sisi - Die Macht am Nil

Lesenswert ist auch der Beitrag des Nahostkorrespondenten Pascal Weber über das Verschwinden des Menschenrechtsanwaltes Ezzat Ghoneim.

Brutstätte von Gwalt und Terrorismus


Weinen hilft niemandem

Kriegsbilder aus Syrien

(18. August 2018) Der Fotograf Hosam Katan hat den Krieg in seiner Heimatstadt Aleppo dokumentiert. Seine Bilder zeigen den Alltag unter Bombenbeschuss und das Elend der Menschen, aber auch die kurzen Augenblicke voller Hoffnung und Zuversicht.

Weinen hilft niemandem (SRF Kultur)


Zeugnis der gescheiterten ägyptischen Revolution

Alaa al-Aswanis neuer Roman "Die Republik als ob"

(18. August 2018) Alaa al-Aswanis neuer Roman ist das erste umfassende Zeugnis der ägyptischen Revolution von 2011 und des tragischen Schicksals ihrer jungen Protagonisten, die der unsäglichen Koalition aus Muslimbrüdern und Armee zum Opfer fielen. Der libanesische Schriftsteller Elisas Khoury über das mutige neue Buch von Aswani.

Zeugnis einer gescheiterten Revolution (Qantara.de)


Rendez-vous mit Amman

Die SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner erzählt aus ihrem Leben in der jordanischen Hauptstadt

(10. Juli 2018) Die SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner berichtet seit Frühling 2018 aus Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Für die SRF-Sommerserie 2018 erzählt sie von ihrer Faszination für die "Stadt der Ammoniter", von der religiösen Toleranz in Jordanien und vom Haschemitischen Herrscherhaus, das seine Abstammung auf den Propheten Mohammed zurückführt.

Rendez-vous mit Amman (SRF)


Dringend gesucht: der Gott des Lachens

Der legendäre ägyptische Humor hat es dieser Tage schwer

(3. Juli 2018) Auf dem Tahrir-Platz triumphierte zu Beginn des Arabischen Frühlings auch der ägyptische Humor. In seinem Beitrag "Dringend gesucht: der Gott des Lachens" geht der Schrifsteller Chalid al-Chamissi der Frage nach, was von der typisch ägyptischen Heiterkeit und dem geistreichen Mutterwitz geblieben ist. Sein trauriges Fazit: In diesen wirtschaftlich schwierigen und politisch repressiven Zeiten nicht viel.

Dringend gesucht (NZZ)


"Flowers from the Nile" in Lyssach

Tapisserien aus dem Ramses Wissa Wassef Art Center, Harrania, Ägypten

(30. Juni 2018) 1952 gründete der ägyptische Architekt Ramses Wissa Wassef (1911 - 1974) in Harrania bei Kairo eine Werkstatt, wo er Kinder im Weben unterrichtete. Wassef war überzeugt, dass alle Kinder eine angeborene Kreativität haben, die aber durch traditionelles Lernen und Einmischung Erwachsener erstickt werde. Mehr als 60 Jahre und drei Weber-Generationen später zeugen die Tapisserien seines Art Centers von der Richtigkeit seiner Theorien. Die entstandenen Tapisserien haben unzählige Lehrer, Künstler, Handwerker und Einzelpersonen in der ganzen Welt inspiriert und begeistert. 

Der "Kulturort Garnlager" in Lyssach zeigt noch bis zum 19. August 2018 Tapisserien aus dem Ramses Wissa Wassef Center, die eindrücklich belegen, wie wegweisend Wassefs Ansatz war und immer noch ist.

Garnlager Lyssach


Grund zur Hoffnung im Nahen Osten

Letzter Artikel der NZZ-Nahostkorrespondentin Monika Bolliger

(30. Juni 2018) Die NZZ-Nahostkorrespondentin Monika Bolliger verabschiedet sich mit einem - wie immer - lesenswerten Artikel zur Lage im Nahen Osten. Auf den Arabischen Frühling folgten zwar Krieg und Tyrannei - trotzdem gibt es laut Bolliger immer noch Grund zur Hoffnung. "Hinter den niederschmetternden politischen Analysen", schreibt sie, lohne es sich "auf die Menschen und ihre Lebensrealitäten zu schauen" - und darauf, wie sich die Menschen inmitten von Armut und Elend immer wieder auch einen kleinen Rest von Würde und Lebensfreude bewahren können. 

Der lange arabische Winter (NZZ International)


Ägyptischen Kindern durch Fussball auf die Beine helfen

Projekt von Terre des Hommes in Ägypten

(20. Juni 2018) Fussball ist momentan in aller Munde - deshalb sei hier ein Projekt der Organisation Terre des Hommes erwähnt, dass Flüchtlingskindern wieder auf die Beine hilft.

Während in diesen Tagen ganz Ägypten mit seiner Mannschaft um Superstar Mohammed Salah mitfiebert, wird am Nil aber auch abseits der Weltöffentlichkeit Fussball gespielt. In Ägypten leben mehr als fünf Millionen Flüchtlinge und Migranten, darunter zahlreiche Kinder. Ein Projekt von Terre des Hommes hilft jungen Flüchtlingen mit Fussball, den Schock der Migration zu überwinden, und vermittelt damit auch Werte wie Teamfähigkeit und Respekt.

Flüchtlingskindern mit Fussball Perspektiven geben (Terre des Hommes)

Gespräch mit Sara Aly Elzanaty, Fussballcoach für Mädchen in New Damietta (Terre des Hommes)


Der Nassersee - Wasser in den Weiten der Wüste

Arte-Dokureihe "Stille Wasser sind tief"

(25. Mai 2018) Wasser ist die Grundlage jeden Lebens und jeder Kultur. Dies gilt seit jeher in besonderem Mass für Ägypten, das von Wüsten umgeben ist. Ägypten verdankt seine Existenz dem Nil und ist - wie es Herodot im 5. Jh.v.Chr. schon treffend formulierte - ein "Geschenk des Nils". Durch den Bau des Hochdammes von Assuan in den 1960er Jahren wurden die Fluten des Nils reguliert und es entstand ein über 500 km langer See, der sich südlich von Assuan bis in den Nordsudan erstreckt. Dieser kolossale Wasserspeicher hat Ägypten von Grund auf verändert. Inmitten von Wüste ist ein neues Ökosystem entstanden.

Der Dokufilm zum Nassersee zeigt, wie Mensch und Natur von den riesigen Süsswasserreservoir profitieren. Doch der Stausee bringt auch Nachteile mit sich. So lagern sich jedes Jahr Tonnen von Sedimenten auf dem Seegrund ab. Zudem planen Sudan und Äthiopien selber grosse Staudämme, die dem Nassersee das Wasser abzuschöpfen drohen. 

Der Nassersee - Stille Wasser sind tief (Arte.tv)


Syrien - Ein Land ohne Krieg

Bildband über Syrien, so wie es einmal war

(13. April 2018) Wer heute von Syrien spricht, meint ein kriegsversehrtes Land, in welchem Chaos und Elend herrschen. An das Syrien vor 2011 kann sich kaum jemand erinnern. 

Wie Syrien vor dem Ausbruch der Unruhen und des Bürgerkriegs ausgesehen hat und wie die Bevölkerung vor dem Krieg lebte, zeigt der Bildband "Syrien - ein Land ohne Krieg" des deutschen Fotografen und Islamwissenschaftlers Lutz Jäkel. 1993 reiste Jäkel erstmals nach Damaskus und war von der Lebensfreude und Ausgelassenheit der Menschen fasziniert. Er bezeichnet Syrien als "das menschlich reichste Land im arabischen Raum". Der entstandene Bildband gibt einen Einblick in das syrische Alltagsleben vor dem Krieg, lässt aber auch Nostalgie aufkommen, wenn syrische AutorInnen zu Wort kommen und von einem Land erzählen, dass es so nicht mehr gibt. 

Ich erlaube mir hier eine persönliche Anmerkung: Ich selber bereiste Syrien leider nur einmal - im Jahr 2007, als im Land grosse Aufbruchstimmung und Zuversicht herrschten. Ich erinnere mich an grandiose Landschaften, an die einzigartigen Städte Damaskus und Aleppo mit ihrer jahrtausendealten Geschichte, die einem überall auf Schritt und Tritt begegnete, an die eindrücklichen antiken Stätten - nicht nur Palmyra und den Krak des Chevaliers, sondern auch unbekanntere Denkmäler, die abseits der Reiserouten lagen, wie den 3000-jährigen Tempel von Ain Dara in Nordsyrien, der aus schwarzem Basalt gebaut und mit Statuen geflügelter Sphingen dekoriert war - und der im Januar 2018 bei einem türkischem Luftangriff zerstört worden ist. Was mich jedoch am meisten berührte, war die unbeschreibliche Gastfreundschaft, Offenheit und Neugierde der syrischen Menschen. So ist Syrien ein Land, das ich nach nur einer Reise für immer ins Herz geschlossen habe.

Bildband Syrien - ein Land ohne Krieg (Qantara.de)

Angriff auf hethitischen Tempel in Syrien (Tagessspiegel)


Blutiger Bürgerkrieg und zerstörte Kulturstätten

Jemen am Abgrund

(12. Februar 2018) Der Bürgerkrieg in Jemen gilt als die derzeit grösste humanitäte Katastrophe. Dennoch wird er von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet; dem Westen scheint der wirtschaftlich uninteressante Jemen sogar komplett egal zu sein. Der Krieg zerstört nicht nur die Lebensgrundlagen der schon bitterarmen Menschen, sondern führt auch zum unwiederbringlichen Verlust des einzigen Schatzes, über den das Land verfügt, seines Kulturerbes. 

Jemen - Ausgangspunkt der berühmten Weihrauchstrasse und in der Antike Arabia felix, glückliches Arabien, genannt - besitzt einzigartige archäologische Stätten, wie die Wüstenstadt Shibam, wo die "ältesten Wolkenkratzer" der Menschheit stehen. Bald könnten diese aber verschwunden sein; die jemenitische Antikenbehörde hat schon 80 beschädigte oder komplett zerstörte Stätten erfasst.

Es ist klar, dass es in Jemen zunächst darum geht bzw. gehen würde, Menschenleben zu retten. Doch mit der Zerstörung der Ruinenstädte gehen auch Geschichte und kulturelle Identität des Landes verloren. 

Jemens einziger Schatz steht auf dem Spiel (NZZ) 


Schon vor der Eröffnung in Geldnot

Das Grand Egyptian Museum GEM sorgt für Kritik

(30. Januar 2018) Das Grand Egyptian Museum GEM, das schon vor Jahren hätte eröffnet werden sollen, steht in der Kritik - und dies nicht zum ersten Mal. Die Kosten für Bau und Einrichtung des Museums, die einst mit 550 Mio $ veranschlagt waren, haben 750 Mio $ überschritten; bis zur Fertigstellung wird mittlerweile mit über 1 Milliarde $ gerechnet. Wo genau das ganze bisherige Geld hingeflossen ist, bleibt ein Geheimnis. Eine Teileröffnung - elegant mit "soft opening" umschrieben - soll Mitte 2018 stattfinden. Damit dies geschehen kann, ist das GEM aber auf Spenden angewiesen.

Das Antikenministerium hat zu diesem Zweck eine Werbekampagne gestartet und bittet um Spenden zur Fortsetzung der Bauarbeiten sowie zum Erhalt des Museums. Dies hat nun in Ägypten für massive Kritik und Spott gesorgt. Die Verantwortlichen werden aufgefordert, eine Erklärung zu den derart explodierenden Kosten sowie zum Verbleib der 750 Mio $ abzugeben. In einem Land, in welchem Lehrer rund 30 $ pro Monat verdienten, viele Menschen arbeitslos seien und am Existenzminimum lebten, sei es eine Schande, für das GEM über 1 Milliarde $ auszugeben und dazu die Bevölkerung zu Spenden aufzurufen! 

Um den Kritikern etwas die Luft aus den Segeln zu nehmen, wurde vor wenigen Tagen eine Monumentalstatue Ramses' II. mit grossem Medienwirbel zum GEM transportiert. Offenbar soll damit signalisiert werden, dass sich der Museumsbau auf gutem Weg befindet.

Ramses II colossus (Daily News Egypt)

Film zum Transport der Ramses-Statue (National Geographic)


Kopten als Zielscheibe islamistischer Terroristen

Wie leben die Christen Ägyptens mit dem Terror? 

(22. Januar 2018) Ägypten war eines der ersten christlichen Länder, bevor der Islam im Jahr 641 Einzug hielt. Heute leben rund 10 Mio Kopten in Ägypten; dies entspricht 10% der Bevölkerung. Doch die chrsitliche Minderheit ist durch islamistische Teroristen gefährdet. 2017 kamen über 100 Menschen bei gezielten Anschägen gegen Kirchen ums Leben.

Bedrohte Kopten in Ägypten


Schwierige Lage der Aramäer in der Südost-Türkei

Streit um das aus dem 4. Jh. stammende Kloster Mor Gabriel

(9. Januar 2018) Das Kalksteingebirge Tur Abdin im Südosten der heutigen Türkei unweit der syrischen Grenze gelegen war einst Heimat einer der ältesten Christengemeinden der Welt. Nur wenige der syrisch-orthodoxen, Aramäisch sprechenden Christen sind geblieben, denn sie werden durch den islamistischen Kurs der türkischen Regierung zunehmende eingeschränkt. Symptomatisch für die schwierige Lage ist der Steit um das Kloster Mor Gabriel, dessen Ursprung bis ins 4.Jh. zurückreicht und das als eines der ältesten Klöster gilt.

Ein Schweizer will die Aramäer retten (NZZ international)


Gertrud Bells Reiseaufzeichnungen zwischen Jerusalem und Antiochia

Ganztägige Lesung auf Radio SRF 2

(2. Januar 2018) Radio SRF 2 würdigt am 2. Januar 2018 die britische Orientreisende Gertrude Bell (1868 - 1926) zu ihrem 150. Geburtstag mit einer ganztätigen Lesung. 

Die Archäologin und Autorin Gertrude Bell bereiste als eine der ersten europäischen Frauen während Jahren die Wüsten im damals noch weitgehend unbekannten Nahen Osten und verfasste darüber packende Reiseberichte. Die äusserst weltoffene und fliessend arabisch sprechende Bell fungierte u.a. als Beraterin von Winston Churchill und war an der Gestaltung des Nahen Ostens massgeblich beteiligt. Sie war die Gründerin des irakischen Nationalmuseums, das einige Monate vor ihrem Tod 1926 eröffnet wurde. Ihre Beobachtungen und Beschreibungen - seien es Ruinenstätte, Landschaften oder Menschen - sind ein Genuss - detailreich, präzis und mit einer Dosis britischem Humor gewürzt.

Die Schauspielerin Lara Körte liest Gertrud Bells Bestseller "Das Raunen und Tuscheln der Wüste - Eine Reise durch das alte Syrien" aus dem Jahr 1905 vor, eine Reiseaufzeichnung zwischen Jerusalem und Antiochia. Für alle, die gerne reisen - besonders für diejenigen, die das (einst) unbeschreiblich schöne Syrien schon bereist haben - unbedingt hörenswert!

Die Lesebeiträge sind auch nach dem 2. Januar verfügbar und können heruntergeladen werden.

Gertrude Bell, die Britin, die dem Irak Grenzen setzte (SRF Kultur)


Aleppo - der Untergang einer Stadt

Ein Wiederaufbau unter schwierigsten Bedingungen

(25. November 2017) Aleppo gilt als eine der ältesten Städte der Welt und war vor Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges eine lebendige Metropole und das wirtschaftliche Herz Syriens. Heute liegen weite Teile der Stadt in Trümmern. Der Wiederaufbau gestaltet sich äusserst schwer. Der syrische Denkmalschutz kann kaum Einfluss nehmen, dafür sind ausländische Investoren umso präsenter. So haben Chinesen, Russen und Iraner in den letzten Jahren zahlreiche Grundstücke in der Stadt erworben. 

Mamoun Fansa, Mitbegründer des Vereins "Freunde der Altstadt von Aleppo" äussert sich zum Wiederaufbau einer zerstörten Stadt.

Wiederaufbau Aleppos (mit Fotos; Qantara.de)


"Am Ende aller Wege"

Eindrückliche Reisefotografien von Annemarie Schwarzenbach

(11. November 2017) Annemarie Schwarzenbach (1908 - 1942) war eine faszinierende Persönlichkeit - Schriftstellerin, Journalistin, Fotografin und weltreisende Abenteurerin, deren Leben jedoch auch von ihrer Morphiumsucht, Depressionen, Klinikaufenthalten und Selbstmordversuchen beeinflusst wurde.

Ihr fotografischer Nachlass ist einer der Schätze des Schweizerischen Literaturarchivs der Nationalbibliothek. Die rund 7000 Fotografien sind nun digitalisiert und in einer Datenbank erschlossen worden. In einer Bildauswahl werden Aufnahmen zu drei grossen Reisen von Schwarzenbach präsentiert: Die Reise in die Südstaaten der USA 1937, die Afrikareise von Lissabon in den Kongo 1941/42 sowie die vielleicht grossartigste Reise, die Schwarzenbach zusammen mit der Schriftstellerin Ella Maillart 1939/40 von der Schweiz über den Balkan, die Türkei und Persien nach Kabul in Afghanistan führte. 

Aktuell ist im Kino übrigens der Film "Les voyages extraordinaires d'Ella Maillart" zu sehen, in welchem u.a. Aufnahmen von der mit Schwarzenbach unternommenen berühmten Reise nach Kabul gezeigt werden.

Am Ende aller Wege (Schweizerische Nationalbibliothek)


Ein neuer Blick auf die Aufklärung in der islamischen Welt

Arnold Hottinger über "The Islamic Enlightenement" von Christophe de Bellaigue

(11. November 2017) Der Essayist und Korrespondent Christophe de Bellaigue stellt in seinem neuen Sachbuch "The Islamic Enlightenement" das 19. Jh. in der islamischen Welt in ein neues Licht. Seine Grundthese lautet, dass der islamische Nahe Osten eine echte Aufklärung durchgemacht habe.

In einem Beitrag der Webseite "Qantara" würdigt der renommierte Nahostexperte Arnold Hottinger de Bellaigues neuen Ansatz. Dieser habe das Geschehen im 19. Jh. erstmals aus Sicht der Protagonisten geschildert, die ihre bisher traditionellen Gesellschaften auklärten, statt die Ereignisse aus dem Blickwinkel der Europäer nach dem Motto "Die islamischen Gesellschaften geben sich Mühe, sind aber noch nicht so weit wie wir" zu beurteilen. 

Aufklärung in der islamischen Welt - es gab sie doch (Qantara.de)


Repression und Einschüchterung in Ägypten

Willkürliche Verhaftungen und Verschwindenlassen von Menschenrechtsanwälten

(27. Oktober 2017) In Ägypten werden Leute unter konstruierten und abstrusen Vorwänden verhaftet; zahlreiche von ihnen verschwinden danach. Repression und Einschüchterung haben in Ägypten ein nie dagewesenes Ausmass erreicht. Es braucht Mut, sich weiterhin für Menschenrechte einzusetzen.

Jeder kann jederzeit verhaftet werden (NZZ International)


75 Jahre nach der Schlacht von el-Alamein

Über 15 Millionen Minen liegen im Nordwesten Ägyptens noch vergraben

(24. Oktober 2017) Vor 75 Jahren fand im Herbst 1942 die Schlacht von el-Alamein westlich von Alexandria statt. Noch heute liegen etwa 17,5 Millionen Minen in Ägypten vergraben, die weiterhin Tote und Verletzte fordern. In den letzten Jahren kommt auch die Gefahr durch Terrormilizen dazu, welche die Sprengkörper ausgraben und daraus neue Bomben bauen. 

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestages der Alamein-Schlacht besuchte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi das Museum in el-Alamein, seine Teilnahme an der Gedenkfeier auf dem Commonwealth-Soldatenfriedhof in el-Alamein musste er jedoch wegen eines schwereen Anschlags von Terroristen auf ägyptische Sicherheitsleute in der Oase Baharyia absagen.

Rommels explosives Erbe (Süddeutsche Zeitung)


80% des antiken Nimrud zerstört

Erste archäologische Untersuchung nach Vertreibung des sog. IS aus Nimrud 

(12. Oktober 2017) Eine erste archäologische Untersuchung von Nimrud, der antiken assyrischen Stadt Kalhu, nach der Vertreibung der IS-Terroristen hat gravierende Zerstörungen festgestellt. Der irakische Archäologe Faleh Norman schätzt in der aktuellen Ausgabe des British Museum Magazine (Autumn 2017), dass 80% der Stätte von Nimrud zerstört sei. 

Nimrud liegt rund 30 km südlich von Mossul in der Ebene von Niniveh im heutigen Irak. Zwischen 1350 und 610 v.Chr. war die Stadt ein bedeutendes Zentrum des Zweistromlandes und im 9. Jh. v.Chr. Hauptstadt des neuassyrischen Reiches. Mitte des 19. Jhs. begannen britische Grabungen, durch die einige der wichtigsten Monumente assyrischer Kultur ins British Museum nach London gelangten. Von 1949 bis 1957 leitete Max Mallowan, Ehemann der Schriftstellerin Agatha Christie, die Ausgrabungen in Nimrud.

Die Verwüstungen in Nimrud/Kalhu durch den sog. IS begannen im März 2015 und dauerten bis Oktober 2016. In einer ersten Phase wurde die Fassade des Nordwest-Palastes mit Bulldozern zerstrümmert; später wurden weitere Teile mittels Sprengstoff zerstört. Der letzte Schritt war die Einebnung des Tempelturmes, Ziggurat genannt. Auch der der Göttin Ishtar geweihte Tempel wurde in Mitleidenschaft gezogen und die Skulpturen der geflügelten Stiere (Lamassu), die als Eingangswärter fungierten, demoliert. Ebenso wurde der Eingang des Nabu-Tempels im Palastkomplex zerstört. Kleinere Objekte und Fragmente, die gut zu transportieren sind, wurden vermutlich illegal verkauft. Auch die Schweiz ist eine Drehscheibe des Antiquitäten-Schmuggels (s. u.).

Der Nordwest-Palast von Nimrud, unter König Ashurnasirpal II. (883 - 859 v.Chr.) erbaut, gilt als bedeutendstes archäologisches Monument der Stadt; umso bedauernswerter ist, dass das gesamte Areal von den IS-Schergen gesprengt und mit Hämmern zerstrümmert worden ist. So kann man für die Reliefs, die aus diesem Palast stammen und die im Zug der britischen Grabungen ins British Museum nach London gelangt sind, nur dankbar sein. Das Archäologenteam um Faleh Noman schlägt nun Notfallmassnahmen vor, etwa die Errichtung eines Zaunes um das Gebiet und Überwachung des Geländes, um die wenigen verbliebenen Strukturen zu schützen. 

Beitrag im Fokus der SRF-Nachrichtensendung "10 vor 10":
Schweiz - Drehscheibe für illegale Antiquitäten


Arabischer Frühling: Was bleibt?

Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus arabischen Ländern blicken zurück auf die Revolte

(31. Juli 2017) Was bleibt von der berauschenden Aufbruchstimmung, als von Tunesien ausgehend der Funke der Revolution auf andere Länder übersprang und alles möglich zu sein schien? In der Beilage der NZZ schildern Literaturschaffende aus arabischen Ländern ihre Hoffnungen, Ängste und Enttäuschungen. Eine der Autorinnen ist die Ägypterin Mansura Eseddin:

Die Fata Morgana jagen (NZZ feuilleton)


Oum Kalthoum - Die Diva von Kairo

Porträt der legendären ägyptischen Sängerin am 21. Juni um 21.45 Uhr auf Arte

(19. Juni 2017) Durch ihre unvergleichliche Stimme wurde die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum zu einem Star in der arabischen Welt und zu einem nationalen Symbol Ägyptens; ihr Ruhm wurde mit dem der Maria Callas verglichen. Vom Staatspräsidenten bis zum kleinen Mann auf der Strasse  - alle lauschten sie den oft herzzerreissenden Liedern von Oum Khaltoum. Noch heute ist sie bei der jungen Generation Ägyptens ein Begriff.

Der Film erzählt die Lebensgeschichte der Diva und reist auf ihren Spuren durch das Ägypten des 20. Jahrhunderts. Arte zeigt die 55-minütige Dokumentation am Mittwoch, 21. Juni 2017, um 21.45 Uhr.


Ägyptens Anti-Terror-Kampf

Anschlag auf koptische Christen dient dem Regime zur Durchsetzung seiner Interessen

(11. Juni 2017) Die Ermordung von 30 Kopten in Minya (Mittelägypten) am 26. Mai 2017 ist der dritte Anschlag innert Jahresfrist auf Christen in Ägypten und hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Das ägyptische Regime griff noch in der darauffolgenden Nacht vermeintliche Terroristenverstecke in Libyen an, die jedoch nicht IS-Strukturen waren. Ägyptens Regierung wollte mit ihrer schnellen Reaktion vor allem Präsenz und Entschlossenheit markieren.

Zwei Tage nach dem Anschlag auf ägyptische Kopten unterzeichnete Ägyptens Präsident Al-Sisi ein Gesetz, das die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in Ägypten unter die völlige Kontrolle des Staates stellt. Mit diesem sehr repressiven Erlass zeigt sich, dass die Angriffe auf die koptische Gemeinde der Regierung als Vorwand dienen, aussen- und innenpolitische Interessen rigoros durchzusetzen. 

Ägyptens Anti-Terror-Kampf (Qantara.de)


Leben im Krieg

Beiträge zum Syrienkonflikt

(5. Juni 2017) Seit 6 Jahren herrscht in Syrien Krieg. Auch wenn wir fast täglich vom Geschehen hören, ist es schwierig sich vorzstellen, was dieser Krieg für die betroffenen Menschen und ihren Alltag bedeutet. In einem Dossier beleuchtet Amnesty International die Hintergründe zum Konflikt und wie die Menschen in Syrien überhaupt noch leben und arbeiten können.

Magazin 2017-2 (Amnesty International)


Von Jakarta bis Kairo

Beginn des Fastenmonats Ramadan 

(27. Mai 2017) Für Muslime in aller Welt beginnt heute der Fastenmonat Ramadan. Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islams; es soll der Einkehr, der Meditation und der Mässigung dienen.

Ramadan in aller Welt (Qantara.de)


Touristen kehren nach Ägypten zurück

Ägypten erholt sich leicht

(15. Mai 2017) Der Tourismus war eine der Haupteinnahmequellen Ägyptens, mehrere Millionen Menschen arbeiteten in der Branche. Bevor der Arabische Frühling ausbrach, besuchten 14,7 Mio Touristen das Nilland und brachten rund 12 Milliarden Dollar an Devisen, die das Land dringend benötigte. 2011 folgte ein massiver Einbruch im Tourismussektor. 2016 lagen die Einnahmen bei nur noch 3,4 Milliarden Dollar. Das waren rund 45% weniger als 2015. 

Seit Monaten arbeitet die Regierung deshalb daran, das Vertrauen in die Sicherheit im Land wiederzustellen. Laut der Webseite Egyptian Independent wurden ca. 43 Millionen Dollar in die Überwachung und Sicherheit der Flughäfen investiert. Dies scheint sich nun auszuzahlen. Bei grossen Schweizer Reiseveranstaltern haben die Gästezahlen inzwischen wieder angezogen, so z.B. bei Kuoni Schweiz, wo Ägypten mit 260 Prozent im Plus liegt. Besonders am Roten Meer legt der Tourismus wieder zu und es werden über 50% mehr Buchungen verzeichnet als im Vorjahr. So gehört etwa Hurgada wieder zu den beliebtesten Badedestinationen und wird inzwischen von zahlreichen Airlines wieder angeflogen. Edelweiss wird im Winter sogar auf vier wöchentliche Verbindungen aufstocken und ab November auch wieder Marsa Alam anfliegen.

Im Niltal jedoch lässt der Aufschwung weiter auf sich warten. Die Oasen in der Westwüste, in denen vor 2011 zahlreiche Hotelresorts entstanden sind, gehören weiterhin aufgrund der Gefahr durch den IS zum militärischen Sperrgebiet.


Die grösste Party auf Erden

Dokumentarfilm über das Fest des Schah von Persien in 1971

(15. Mai 2017) 1971 feierte der Schah von Persien 2500 Jahre persische Monarchie mit der grössten Party aller Zeiten. Geld spielte keine Rolle. In den antiken Ruinen von Persepolis mitten in der Wüste wurde in beispiellosem Aufwand eine Oase erbaut, mit Blumen, Springbrunnen und 50'000 importierten Singvögeln. Die Gästeliste war imposant: 69 Staatsoberhäupter erschienen persönlich oder schickten ihre Stellvertreter. Der protzige Riesenanlass verschlang Unsummen und läutete das Ende der Herrschaft des Schahs ein. 

Die grösste Party auf Erden (Dok SRF)


Zeichen gegen den radikalen Islam setzen 

Al-Azhar-Universität in Kairo

(9. Mai 2017) Die Al-Azhar-Universität von Kairo ist die weltweit bedeutendste Institution des sunnitischen Islams. In einem Beitrag setzt Assem Hefny, Dozent an der Al-Azhar-Universität, ein wichtiges Zeichen gegen den radikalen Islam. Er fordert, dass das Koranstudium mit sozialanthropologischen Ansätzen verbunden werden müsse, um deutlich zu machen, dass der Terrorismus ein von den Menschen gemachtes Problem ist und nicht im Koran wurzelt.

Anlässlich des Besuchs von Papst Franziskus in Ägypten fand an der Al-Azhar-Universität eine internationale Friedenskonferenz statt. Es wurde vereinbart, den über 40 Jahre geführten Dialog zwischen Vatikan und Al-Azhar-Universität wiederaufnehmen; dieser war während des Pontifikats von Papst Benedikt eingefroren worden.

Eine Frage der Interpretation (Qantara.de)

Internationale Friedenskonferenz in Kairo (Qantara.de)


Braut für einen Sommer

Wirtschaftliche Krise führt zu mehr Prostitution 

(22. April 2017) Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und der Armut vieler ägyptischer Familien kommt es vermehrt zu Fällen sog. "Sommerbräute". Dabei handelt es sich um eine Form von Prostitution, bei denen reiche Touristen, meist aus den arabischen Emiraten, ein Mädchen oder eine junge Frau für eine Kurzehe während der Sommerferien auswählen. Da ausserehelicher Sex im Islam verboten ist, wird zwischen dem Freier und der Familie der jungen Frau ein Ehevertrag auf Zeit abgeschlossen.

Die meisten Sommerbräute kommen aus der Peripherie der grossen Städte wie Kairo, wo ein Viertel der Menschen mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen müssen. Für die arme Bevölkerung ist das von den Freiern bezahlte Brautgeld eine unvorstellbar grosse Summe und entspricht manchmal sogar mehreren Jahresgehältern. Mittlerweile können sogar Pauschalangebote, in denen Flug, Hotelzimmer und "Ferienbraut" inbegriffen sind. 

Sex-Tourismus in Ägypten


Menschenrechtslage in Ägypten schlimm

Bericht von Amnesty International

(4. März 2017) Der neue Bericht von Amnesty International AI zur Menschenrechtslage in Ägypten liest sich düster. AI spricht sogar von einer Menschenrechtskrise. Zahlreiche Regimekritiker seien "verschwunden" und Folter in den Gefängnissen allgegenwärtig. Die Situation müsse als schlimmer als zu Mubaraks Zeiten eingestuft werden. Zudem habe die Regierung ein wichtiges Zentrum für Gewalt- und Folteropfer geschlossen und die Arbeit ausländischer Stiftungen werde massiv behindert.

Menschenrechtslage in Ägypten (Qantara.de) 


Kopten verlassen den Nordsinai

Unzählige Morde an Kopten durch IS-Dschihadisten

(4. März 2017) In den letzten Wochen wurden mehrere Kopten im Nordsinai gezielt von IS-Dschihadisten, teils auf offener Strasse, brutal ermordet. Die Regierung hält sich zu den Vorfällen bedeckt. Die Folge ist ein Exodus christlicher Familien aus dem Sinai. Im Hinblick auf die schockierenden Vorfälle wird auch Kritik an Angela Merkels Reise nach Ägypten geübt.

Kopten flüchten aus dem Sinai (Qantara.de)

Kritik an Merkels Nordafrikareise


Repressionen gegen Wissenschaftler und Journalisten in Ägypten

Freie Forschung und Berichterstattung kaum mehr möglich

(3. Februar 2017) Vor einem Jahr wurde der Leichnam des verschwundenen italienischen Wissenschaftlers Giulio Regeni in Kairo gefunden. Die Hintergründe der Tat sind bisher nicht aufgeklärt. Indizien wiesen jedoch darauf hin, dass Regeni Opfer des ägyptischen Sicherheitsapparates wurde. Polizeigewalt ist in Ägypten alltäglich; Repressionen gegen Wissenschaftler und Journalisten weit verbreitet.

Repressionen am Nil (Qantara.de) 


Stille Wasser sind tief

SRF-Doku-Sendung zum Nassersee

(30. Januar 2017) Der damalige ägyptische Präsident Gamal abdel Nasser liess in den 1960er Jahren südlich von Assuan einen Staudamm bauen, um sein Land zu modernisieren und dessen Stromversorgung sicherzustellen. Entstanden ist der Nasser-See, mit mehr als 500 km Länge einer der grössten Stauseen der Welt. 

Am Nasser-See sind im Verlauf der Jahrzehnte mehrere wertvolle Ökosysteme (Fische, Vögel) entstanden, die nun durch Staudammpläne anderer Nil-Staaten, wie Sudan und Äthiopien, gefährdet sind. Bald könnte der Nasser-See als Wasserquelle versiegen.

Stille Wasser sind tief (SRF Sendungen Dok; Video noch 29 Tage verfügbar)


Ein Geschenk an die Welt

Ägypten macht Werbung für den neuen Suezkanal

(30. Januar 2017) Ägyptens Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage. Insbesondere das Ausbleiben der Touristen macht dem Land zunehmend Sorgen. Um die Bevölkerung bei Laune zu halten, wird die Erweiterung des Suezkanals von Staatspräsident al-Sisi als patriotisches Projekt inszeniert. Wie der Nasserstaudamm im 20. Jh. soll der neue Suezkanal das Prestigeprojekt des 21. Jhs. werden.

Der neue Kanal, der auf einer 72 km langen Strecke auf zwei Fahrrinnen augebaut wurde, ist am 6. August 2015 mit grossem Pomp eröffnet worden. Nun hat die ägyptische Post dazu auch drei Sondermarken herausgegeben. Mit dem Slogan "Ägyptens Geschenk an die Welt" erhofft sich die Regierung durch den neuen Kanal eine Ankurbelung der ägptischen Wirtschaft.

Werbung für neuen Suezkanal (NZZ online)


Palmyra wieder in der Hand des IS

Weitere Kulturgüter zerstört

(24. Januar 2017) Die antike Handelsstadt Palmyra in Syrien ist erneut von der Terrororganisation IS erobert worden. Satellitenaufnahmen zeigen, dass wiederum Teile der Stadt zerstört worden sind. So sollen die Fassade des Theaters und der Tetrapylon nicht mehr vorhanden sein.

IS zerstört Kulturgut in Palmyra (mit dem Archäologen Mirko Novak im Radio-Interview)


Iran verstehen

Neue Fassung des Sympathie-Magazins

(23. Dezember 2016) Iran ist im Aufbruch und der Tourismus boomt. Die gut ausgebildete junge iranische Gesellschaft sehnt sich danach, dass ihr Land auch auf dem internationalen Parkett wieder anerkannt wird. Doch das politische System des Iran ist nach wie vor von Widersprüchen gezeichnet. 

Die neue Fassung des Sympathie-Magazins "Iran verstehen" wurde von der Islamwissen-schaftlerin und Iran-Kennerin Irene Fellmann redaktionell betreut und berichtet aus Geschichte, Politik, Kultur und Alltag des Landes.

Iran verstehen (Fair unterwegs)

Mit der Öffnung des Iran strömen Scharen von Touristen ins Land, das mit seiner reichen Geschichte Besuchern eine Fülle an Sehenswürdigkeiten und Kultur bietet. Die touristische Infrastruktur kann mit dem Ansturm (noch) nicht mithalten:

Zu wenig Hotelbetten im Reiseparadies (NZZ)


Syrische Kulturgüter in der Schweiz aufbewahren?

Die Schweiz als sicherer Hafen für bedrohte Kulturgüter

(9. Dezember 2016) An einer Konferenz in Bern haben syrische und europäische Archäologen Möglichkeiten zur Sicherstellung von bedrohten Kulturgütern diskutiert. Dabei wurde auch die Arbeit der Organisation 'SHIRIN - Syrien Heritage in Danger' vorgestellt, die Experten aus unterschiedlichen Gebieten zusammenbringt, um Regierungen und NGO's in Kriegsgebieten zur Rettung des kulturellen Erbes zu bewegen.

Das Schweizerische Bundesamt für Kultur spielt seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle bei der Sicherstellung von bedrohten Kulturgütern. Nach Schweizer Recht ist es möglich, Kulturgüter aus Kriegsgländern in die Schweiz zu bringen, um sie vor Zerstörung zu retten. So fanden während des Afghanistan-Krieges zahlreiche Artefakte in der Schweiz Unterschlupf. Bedingung ist jedoch, dass die jeweilige offizielle Regierung im Krisengebiet damit einverstanden ist, was bisher in Syrien nicht der Fall ist. Obschon unzählige Museen und archäologische Stätten von Zerstörungen betroffen sind, weigert sich die Regieurng Assad bislang, syrische Kulturgüter ausser Landes zu bringen, da dies als Zeichen der Schwäche gedeutet werden könnte. 

Auch Frankreich hat sich anerboten, Kulturgut aus Syrien aufzunehmen und im Louvre unterzubringen.

Kulturgüter in der Schweiz aufbewahren (Swissinfo; mit Videoauszügen aus der Konferenz)

Webseite SHIRIN


 

Webseiten zum aktuellen Geschehen:

Blog des Journalisten Karim El-Gawhary zum arabischen Alltag und den Ereignissen im turbulenten Nahen Osten:

Webseite der Menschenrechtsorganisation Amnesty International "Nordafrika und Naher Osten in Aufruhr":
Amnesty Naher Osten

Webseite der ägyptischen NGO-Organisation für die Opfer von Gewalt: